Freitag, 2. Oktober 2026, 19:30 Uhr
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Werke aus „Das Wohltemperierte Klavier“
von Johann Sebastian Bach
Es ist zählebig und unausrottbar! – Manches Urteil hält sich apodiktisch über Jahrhunderte, so auch die irrige Annahme, dass das „Wohltemperierte Klavier“ und vielleicht noch mehr die „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach Musik allein für den Kopf sei: Die Komplexität in Kontrapunkt und Tonsatz dieser Zyklen stehen seit jeher im Verdacht, das Publikum zu überfordern, ja ihm sogar einen Hörgenuss vorzuenthalten. „Mitnichten“, möchte man entgegensetzen. Bach selbst verweist im Langtitel der beiden Sammlungen des„Wohltemperierten Klaviers“ auf dessen Zweck: „ZeitVertreib“ [sic] – in unserem heutigen Verständnis „Unterhaltung“, aber eben auf höchstem Niveau – auch das ist möglich! Bachs musik-architektonische Meisterwerke mit ihrem schier unerschöpflichen poetischen Gehalt sind demzufolge nicht als Musik für den Kopf, sondern direkt für den Konzertsaal gedacht, die Vielzahl an Bearbeitungen, Transkriptionen und Übertragungen unterstreichen diese These nachhaltig – Musik, die aufgeführt werden muss!
Prominente Rezipienten wie etwa der Mozart-Förderer Gottfried van Swieten, Mozart selbst, später auch Beethoven, Schumann haben sich nicht nur intensiv mit den beiden Sammlungen auseinandergesetzt, sondern sich zu eigenen Werken inspirieren lassen: Die „24 Préludes op. 28“ von Frederic Chopin seien hier nur als ein Beispielgenannt – die Patenschaft ließe sich leicht auch auf Paul Hindemiths „Ludus tonalis“, Dmitri Schostakowitschs „24 Präludien und Fugen op. 87“ oder Rodion Schtschedrins Sammlung mit gleichem Titel erweitern, Arnold Schönberg sah in der h-Moll-Fuge des ersten Teils gar das Urwerk der Zwölftonmusik. Das Schicksal eines Großteils der Werke Johann Sebastian Bachs, die mit seinem Tod zunächst in Vergessenheit gerieten, hat das „Wohltemperierte Klavier“ also zu keinem Zeitpunkt getroffen, es war immer Teil des musikalischen Diskurses, auch weil damit endgültig bewiesen war, dass sich das Potential von Enharmonik und Modulation fortan auf alle Tonarten ausweiten ließ – eine bahnbrechende Erweiterung des musikalischen Vokabulars. Musik als universelle Weltsprache, als Verbindung von profanem und transzendentem Anspruch, gar als Verbindung von weltlicher und sakraler Musik?
„In Fine soll auch die Endursache aller Musik […] seyn nichts anderes als nur Gottes Ehre und Recreation des Gemüths“.
Der Ausführende:
Prof. Hans Maier – Akkordeon
studierte als Stipendiat u.a. der Studienstiftung des Deutschen Volkes und des DAAD das Hauptfach Akkordeon bei Prof. Hugo Noth an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen und schloss mit dem Solistischen Examen ab. Im Anschluss daran hat er zur Vertiefung seiner wissenschaftlichen Ausbildung seine Studien mit der Fächerkombination Musikwissenschaft ,Japanologie und Neuere deutsche Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität München fortgesetzt. Seine Magisterarbeit schrieb er zum Thema „Toru Takemitsu und die westliche Musik“.
Zusätzlich beschäftigte sich Maier auf zahlreichen Meisterkursen, u.a. bei Martin Haselböck, Lars-Ulrik Mortensen und Jory Vinicour intensiv mit der historischen Aufführungspraxis alter Musik. Er verfolgt eine ausgeprägte Konzerttätigkeit sowohl als Solist als auch in Kammermusikformationen und trat dabei in ganz Europa und Japan auf. Anlässlich des 275. Todestages von Johann Sebastian Bach im Jahr 2025: Aufführung des Wohltemperierten Klaviers Teil I und II an zwei Abenden in Innsbruck, außerdem von Schuberts „Winterreise“ mit Christoph Pregardien. Kammermusikpartner von Mitgliedern der Wiener Philharmoniker, u.a. Norbert Täubl, Štěpán Turnovský, der Berliner Philharmoniker, u.a. Hansjörg Schellenberger, Stefan de Leval Jezierski und des BRSO, u.a. András Adorján.
Aufnahmen bei ORF, RAI, SWR, 3sat und BR sowie Einspielungen beim Label NEOS MUSIC ergänzen seine künstlerische Tätigkeit. Mit mehreren Komponisten, u.a. Albrecht Gürsching und Nikolaus Brass, hat er zusammengearbeitet und die ihm gewidmeten Werke uraufgeführt.
Auf Kursen in beinahe ganz Europa hat er Akkordeon und Kammermusik unterrichtet sowie Vorträge gehalten mit der Idee einer Einheit der praktischen, pädagogischen und theoretischen Sicht auf Musik.
Zum Wintersemester 2007/2008 wurde er als Professor für Akkordeon und Kammermusik an die Staatliche Hochschule für Musik Trossingen berufen.
Eintrittspreise für das Meisterkonzert:
17 € / erm. 7 €


